Wie kommt man zum
Mechatronikstudium?

Viktoria hat den Schritt gewagt und sich für einen Studiengang entschieden, in dem sonst Männer die dominierende Rolle spielen.

Hallo Viktoria, schön dass du dir Zeit für ein kurzes Interview nimmst. Für welchen Studiengang hast du dich genau entschieden?
Ich habe mich für den Bachelorstudiengang Mechatronik/Feinwerktechnik entschieden. Das ist ein Studiengang, in dem man zu einem*r Ingenieur*in ausgebildet wird. Er verbindet die Gebiete Mechatronik, Elektronik und Informatik miteinander.

Das klingt ja sehr technisch. Und wie genau kommt man auf so einen Studiengang?
Das war bei mir ein längerer Prozess, bis ich diesen Studiengang für mich entdecken konnte: Während meines Abiturs war ich zunächst sehr unentschlossen, was ich mit meinem künftigen Leben anstellen sollte. Ich war mir nur sicher, ich wollte Studieren!

Zunächst begann ich an der technischen Universität München (TUM) das „studium naturale“. Dabei handelt es sich um einen Orientierungsstudiengang, der sich explizit an Personen richtete, die sich für Naturwissenschaften interessieren, sich jedoch noch unsicher sind, ob das die richtige Wahl ist. Dieser Studiengang dauert insgesamt zwei Semester. Danach erhält man keinen vollwertigen Abschluss, sondern nur ein Zertifikat.
Während dieser Zeit konnte ich erste Einblicke in unterschiedliche Bereiche wie Mathematik, Biologie oder Physik erlangen und schnupperte „Uniluft“. Zusätzlich zu bestimmten Pflichtmodulen konnte man aus dem gesamten Angebot aller Studiengänge der TUM Wahlpflichtvorlesungen belegen, wodurch man sich seine eigenen Schwerpunkte setzen konnte. Ich erkannte dadurch, dass ich ein großes Interesse für MINT-Fächer (Mathe, Informatik, Naturwissenschaft und Technik) besaß.

Parallel zum Studium - und auch schon während meiner Schulzeit - machte ich an verschiedenen Berufsauswahltests mit, die mich mehrfach auf Ingenieursberufe hinwiesen. Das stärkte mein eigenes Selbstbewusstsein enorm, da ich mir solch technik-lastige Studiengänge anfangs nicht zugetraut hätte.

Allerdings hatte ich an der TUM bald festgestellt, dass mir die meisten Vorlesungen zu groß und unpersönlich sind. Das Audimax (das ist der größte Hörsaal der TUM) hat zum Beispiel über 1.000 Sitzplätze. In bestimmten Vorlesungen reichen diese nicht aus und die Studenten sitzen sogar auf den Treppenstufen. Ich entschloss mich also an eine Hochschule zu gehen, da sind die Gruppengrößen kleiner. Teils sogar so klein, dass dich die Professoren bei deinem vollen Namen kennen, ähnlich wie in der Schule.

Durch Recherche stieß ich auf den Studiengang Mechatronik, in dem man sich ab dem vierten Semester an der Hochschule München (HM) unter anderem auf Medizintechnik spezialisieren kann. Das erschien mir als ein gelungener Kompromiss für mich: So berücksichtigt ich zum einen meine Neigung für Ingenieurswissenschaften und zum anderen erlangte ich medizinisches Wissen, für das ich schon immer eine Begeisterung aufbringen konnte. Allerdings war mir frühzeitig klar, wenn man Arzt werden will, sollte man Blut sehen können, und das fiel mir schwer.

Bist du immer noch glücklich mit deiner Entscheidung Mechatronikerin geworden zu sein?
Auf alle Fälle! Und ich bin auch sehr dankbar, dass diverse Berufstests immer ein recht ähnliches Ergebnis angezeigt haben und mich so in meiner Entscheidung bestärkt haben, ansonsten hätte ich mir das womöglich gar nicht zugetraut! Von dem her würde ich Unentschlossenen genau zu solchen Tests raten. Diese zeigen einem teils Möglichkeiten und Talente auf, von denen man vorher womöglich gar nichts wusste.

Das heißt du würdest den Studiengang auch anderen Mädchen weiterempfehlen?
Ja unbedingt! Es fällt zwar tatsächlich manchmal auf, wenn man als eines der wenigen Mädchen in einer Vorlesung sitzt, aber da gewöhnt man sich schnell dran. Außerdem wird man von den Jungs überwiegend mit offenen Armen empfangen, da diese großen Respekt haben, wenn sich Frauen für die gleichen technischen Themen interessieren wie sie selbst oder ihnen sogar eine Nasenlänge voraus sind - das kratzt dann allerdings an ihrem Ego.
Es macht mir nichts aus, dass der Großteil meines Freundeskreises nun männlich ist. Im Gegenteil: Ich finde es sogar einen schönen Ausgleich, da mein Freundeskreis aus Schulzeiten überwiegend weiblich war.